Über Crip Magazine


Stereotype können Menschen in Bilder sperren, schreibt der Kulturtheoretiker W. J. T. Mitchell in dem Text „Seeing Disability“. Darstellungen prägen unseren gesellschaftlichen Umgang. Das Crip Magazine setzt den allgegenwärtigen Medienbildern von Opfern vs. Helden, der helfenden Hand und „Licht ins Dunkel“, von Bemitleidung und Stigmatisierung visuellen Aktivismus und Crip-Materialien entgegen.

Das Crip Magazine ist ein selbstorganisiertes Zeitschriftenprojekt. Es versteht sich als Kunstprojekt und Sammlung von Materialien zu Crip-Themen, Kunst- und Kulturproduktion. Die Beiträge stammen zu 80% von KünstlerInnen mit Behinderung und eröffnen eine selbstbestimmte und ermächtigte Perspektive auf behinderte Verkörperungen und Realitäten. Das Magazin beinhaltet Beiträge, die Schmerz zum Thema haben und eine transformative Perspektive auf Body-Issues und körperliche soziale Beziehungen eröffnen.

Die erste Ausgabe des Crip Magazine erschien 2012 und umfasste Beiträge über z. B. die Krüppelbewegung, Outcast-Nights, experimentelle Bilder und Texte wie den extraterrestrischen Songtext, exzentrische Sprechstücke, die Cosmic Creatures oder unheimliche Bilder zu Feeling Bad. Diese erste Ausgabe wurde in großer Auflage (von 7.000 Stk.) auf Zeitungspapier gedruckt und an unterschiedlichen Orten gratis verteilt und aufgelegt sowie verschickt bzw. anderen Medien beigelegt.

Eine zweite Ausgabe des Crip Magazine ist im Sommer 2017 erschienen und wird in einer kleineren Auflage als Heft verteilt und steht ab Herbst 2017 vor allem online zur Verfügung. Unter den Beiträgen finden sich u. a. die utopischen Kosmologien des bereits verstorbenen Gugging-Künstlers Franz Artenjak (R. I. P.), die Lesetests der sehbeeinträchtigten Malerin Brooke Lanier oder ein Kommentar von Volker Schönweise (Mitbegründer der Selbstbestimmt Leben Bewegung Österreichs). Weiters finden wir Beiträge der Queer-Disability-Aktivistin Elisabeth Magdlener oder des Gründers der Theater der Aggressionen Philmarie, und der Behindertenaktivisten Neil Marcus und Petra Kuppers und von vielen anderen.

Das Crip Magazine bezieht sich auf die historische Kämpfe und die Geschichte der Behindertenrechtsbewegungen und möchte diese ins Gedächtnis rufen. Dies passiert auf vielfältige Weise mit Texten – im Gespräch mit Petra Fuchs geht es etwa um die Geschichte zweier Pionierinnen im Kampf gegen die Sonderschule –, aber z. B. auch auf künstlerische Weise mittels Überarbeitungen von historischen Dokumenten (wie z. B. die Cover der Zeitschriften „Der Krüppel“, „Neues aus Krankheit“ und der „Krüppelzeitung“).

Das Projekt wurde 2012 von der Künstlerin Eva Egermann ins Leben gerufen.

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Weitere Downloads


  • Cyborg-Kinder (aus: an.schläge IV/2017)

    Das Crip Magazine will dem medizinischen Modell von Behinderung und dem Mainstreamdiskurs darüber neue Bilder entgegensetzen. Herausgeberin Eva Egermann über vermeintliche Normalität und feministische Ignoranz. Interview: Lea Susemichel

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